Jenna Stean - Meine Bücher -   

Über das Buch

Seit 14. Juli 2019 ist der Sports Romance-Roman "TOUCHDOWN – Wenn Liebe trifft“ von Jenna Stean bei Amazon als eBook und Taschenbuch erhältlich. Auf dieser Seite geben wir Ihnen erste Einblicke in die Handlung und hoffen somit, Sie für den Roman begeistern zu können. Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen hier bereits den Klappentext, die Cover, Informationen zu den Hauptfiguren sowie diverse Leseproben an.

Daten zu "Touchdown - Wenn Liebe trifft"

Erschienen: 14.Juli 2019 bei Amazon
Seitenzahl: 485 (eBook), 364 (Druck)
Preis: 2,99 € (eBook), 9,99 € (Druck)
ISBN: 978-1077651609

Klappentext

Die schüchterne Ashley White braucht dringend einen Job. Denn ihre Eltern halten sie finanziell an der kurzen Leine. Selbständig und selbstbewusst soll sie werden, predigt ihr Vater. Dass gerade Lucas Hanson, der attraktive und sexy Quarterback des Football-Teams, ihr helfen will, verwirrt sie. Er bietet ihr einen Deal an. Sie übernimmt für ihn eine Seminaraufgabe, damit er zusätzlich trainieren kann. Im Gegenzug besorgt er ihr einen Job. Doch während sie im Stadion arbeitet, kommt es zu einem Vorfall, der nicht nur Ashley, sondern auch ihr Verhältnis zu Lucas, schlagartig verändert. Der selbstverliebte Kerl hat keine Ahnung, was auf ihn zukommt …

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Die Cover zum Buch

eBook


Taschenbuch

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Ashley und Lucas - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Ashley White, 19 Jahre

Familie: Ashleys Familie lebt in einer Kleinstadt. Die Mutter ist Hausfrau, der Vater Zahnarzt, der sich sozial engagiert. Er behandelt mittellose Patienten kostenfrei. Ashley hat keine Geschwister, sodass sich die Mutter, eine tiefgläubige Christin, sich auf sie fixiert hat. Vor allem der Erhalt Ashleys Jungfräulichkeit bis zur Ehe ist wichtig.

Freunde: Chloe und Matthew

Beziehungen: keine, sie ist heimlich in Lucas verliebt

Charakter: Schüchtern, zuverlässig, loyal. Ihre Gedanken sind das Gegenteil von ihrem Verhalten. Ashley wünscht sich, sie würde den Mut haben, das zu sagen, was sie denkt.

Äußeres: klein, kräftig, Sommersprossen, braune Augen, rotes langes Haar

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Lucas Hanson, 21 Jahre

Familie: Ohne Geschwister ist er bei den Großeltern aufgewachsen. Um die Mutter macht er ein Geheimnis.

Freunde: Dylan und Ray sind für ihn seine Bros, er ist auch mit Raoul befreundet.

Beziehungen: kurze Affären, wenn es eng wird, zieht er sich zurück

Charakter: auf die sportliche Zukunft fokussiert, intelligent, als Quarterback außergewöhnlich talentiert, Teamplayer

Äußeres: groß, atletisch, braune Augen, dunkelbraunes kurzes Haar

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Kapitel 1 - Ashley

Gleich war es soweit. Noch fünf Typen standen vor uns an, danach würden wir an der Reihe sein, um endlich den Eingang von Gate A des Stadions passieren zu können.
Himmel, freute ich mich auf das Spiel.
Schon zweieinhalb Stunden vor Einlassbeginn hatten Chloe und ich das Studentenwohnheim verlassen, weshalb wir hier nicht lange warten mussten. Hinter uns hatte sich mittlerweile eine riesige Schlange gebildet.
Früher hatte ich mich nie für Football interessiert, tat ich auch heute nicht. Doch seit vergangenem Jahr, das ich nun an der Michigan studierte, besuchte ich jedes Saisonspiel unseres Collegeteams. Der Samstag war der Höhepunkt meiner Woche, denn dann konnte ich während des Spiels gebannt meinen Blick auf den Einen heften, der mein Herz Purzelbäume schlagen ließ, ohne dass es ein Außenstehender mitbekam. Hier starrten ihn alle seine Fans an, was mich einerseits eifersüchtig machte, aber mich andererseits mit seinen Anhängern eine innere Verbundenheit spüren ließ.
Wobei ich ihn aus einem anderen Grund beobachtete, als die meisten Leute hier. Für sie war er der beste Quarterback an der Michigan State University, für mich der Mann meiner Träume: Lucas Hanson.
Noch nie in meinen neunzehn Lebensjahren hatte ich derart tiefe Gefühle für einen Mann empfunden wie für ihn, obwohl ich Lucas nicht wirklich kannte. Dass ich in ihn verliebt war, ließ ich mir nicht anmerken. Nur Chloe, meine beste Freundin und Mitbewohnerin, wusste über den hoffnungslosen Umstand Bescheid. Hoffnungslos, weil Lucas nie das Gleiche für mich empfinden würde. Selbst dann nicht, wenn er mich bewusst wahrnehmen würde. Davon ging ich aus, denn ich konnte meine Chancen gut einschätzen. Ich war Durchschnitt. Und wenn Lucas eine Freundin hatte, war sie wie er außergewöhnlich hübsch. »Ash«, hörte ich Chloe plötzlich sagen. »Wir sind dran.« Erschrocken blinzelte ich, zog meinen Rucksack vor die Brust und kramte im Inneren, um die Tickets herauszuholen.
»Sorry.« Lächelnd reichte ich die Karten einem der vier breitschultrigen Securitymänner, die hier den Einlass regelten. Das war eindeutig mal wieder typisch für mich.
Ständig kreisten meine Gedanken um Lucas, sodass ich nicht bemerkt hatte, dass die Typen vor uns die Einlasskontrolle hinter sich gelassen hatten und schon auf dem Weg ins Stadioninnere waren.
Während ich auf der Toilette war, besorgte uns Chloe zwei Cola light. Sie bestand darauf, dass wir kein Zuckerwasser tranken. Meine Freundin lebte sehr kalorienbewusst.
Schließlich schoben wir uns durch das Gedränge und suchten unsere Plätze Nummer 18 und 19 in Reihe 42. Von dort konnte man ganz gut das gesamte Spielfeld überblicken, obwohl von hier aus die einhundert Yards Kunstrasen viel kleiner erschienen.
Chloe reichte mir einen Becher und setzte sich auf ihren Platz. Nachdem auch ich mich auf meinen Plastiksitz niedergelassen hatte, wandte sie mir ihr Gesicht zu und stieß hörbar die Luft aus.
Einen Moment hielt sie inne, und ich ahnte, was jetzt kam. »Ehrlich, Ash, dass ich mit dir zu jedem dieser bescheuerten Spiele gehe … Dabei verstehe ich keine einzige Regel.«
Stöhnend deutete sie mit dem Kinn Richtung Spielfeld. »Und aus der Entfernung kannst du Lucas nicht einmal erkennen.«
Seufzend steckte sie den Strohhalm in den Mund und trank von ihrer Cola.
Volltreffer. Ich grinste über ihren Spruch, denn den bekam ich vor jedem Spiel zu hören.
Schulterzuckend schaute ich zu Chloe. Selbstverständlich war ich nicht ihrer Meinung und antwortete deshalb mit leicht protestierendem Unterton: »Natürlich erkenne ich Lucas.«
Zur Bestätigung meiner Behauptung hob ich die Hand und zeigte auf einen der überdimensionalen Bildschirme. »Wenn er als Großaufnahme erscheint.«
»Ja, klar«, sagte Chloe abwinkend und lachte. »Mit dem Helm auf dem Kopf und der schwarzen Farbe unter den Augen. Mach dir doch nichts vor, Ash. Wie willst du ihn von den anderen unterscheiden können?«
»Lass das ruhig meine Sorge sein«, gab ich zurück. Für Chloe sahen alle Typen auf dem Spielfeld gleich aus, aber nicht für mich. Ich könnte Lucas unter Hunderten Spielern erkennen. Die Offensive und Defensive Linemen sahen für mich wie monströse Fleischklopse aus. Solche extrem schweren Kerle mochte ich nicht. Lucas dagegen war groß und muskulös, wirkte sehr athletisch. Okay, seine Kumpel Dylan und Ray waren ebenfalls groß und gut gebaut. Die drei wussten, dass die meisten weiblichen Fans unserer Universität nur zu den Spielen kamen, um sie anzufeuern. So wie ich. Die Regeln kapierte ich genauso wenig wie Chloe. Aber in der geschützten Menge genoss ich es, meinen Schwarm ungestört zu beobachten.
Lucas und ich studierten beide im Hauptfach Philosophie, wobei er schon drei Semester weiter war. Er war auch zwei Jahre älter als ich. Einige Veranstaltungen besuchten wir gemeinsam, doch wenn wir in einem Raum zusammensaßen, mied ich es, ihm einen Blick zuzuwerfen. Ich hatte Angst, dass er es bemerken könnte und mich für eine Stalkerin halten würde. Na ja, wenn ich ehrlich war, traf das in etwa zu. Wo er war, war ich meist nicht weit entfernt. Natürlich versteckt. Er sollte es keinesfalls mitbekommen. Das wäre zu peinlich.
»Wann geht’s denn endlich los?«, wollte Chloe wissen.
Ich schaute auf die Uhr. »In einer Stunde.«
»O Mann, noch 60 Minuten«, stöhnte sie mit den Augen rollend.
Ich lächelte entschuldigend. »Du weißt doch selbst, was passiert, wenn wir nicht rechtzeitig hier sind.«
»Und ob! Die beiden Blödmänner, die sich unerlaubt auf unseren Plätzen breitgemacht hatten. Die werde ich nicht so schnell vergessen.«
Die Nase kräuselnd nickte ich zustimmend. Weil wir vor zwei Wochen zu spät im Stadion eingetroffen waren, mussten wir uns in die letzte Reihe des Oberdecks verdrücken. Das Sichtfeld war so mies, dass wir auf das Spiel verzichtet hatten und stattdessen gegangen waren. Ich hatte Chloes Drängen nachgegeben, um ihre Gutmütigkeit nicht übermäßig zu strapazieren. Sie war eine wunderbare Freundin, begleitete mich zu allen Saisonspielen unseres Collegeteams, obwohl sie sich nichts aus Football machte. Aber sie wusste, dass ich wegen Lucas kein Spiel verpassen wollte.
Klar hielt sie meine Schwärmerei für verschwendete Zeit. Trotzdem akzeptierte sie es und machte sich nicht über mich lustig.
»Ich hätte noch den Rest von Riverdale schauen können«, sagte Chloe. »Stattdessen sitze ich hier und warte, dass das Spiel endlich losgeht. Heute haben wir es mit dem Früherkommen reichlich übertrieben.«
»Ja, schon«, antwortete ich achselzuckend. »Aber wenn ich dich deine Serie auf Netflix länger gucken lasse, bekomme ich dich nicht pünktlich aus unserem Zimmer.«
Chloe seufzte. »Was soll’s, schau ich heute Abend zu Ende.« Ich zwinkerte. »Braves Mädchen.«
»Jaja, mach ruhig deine Witze, Ash.« Grinsend angelte Chloe mit der Zunge nach ihrem Strohhalm und nippte an der Cola. Sie wusste, dass ich ihr dankbar war.
Gelangweilt schweiften unsere Augen über die Zuschauer. Von den Ständen wehte verführerisch würziger Duft herüber, dass mir wie auf Kommando die Spucke im Mund zusammenlief.
Eigentlich wäre noch genügend Zeit, sich Pommes, Burger oder Hot Dogs zu kaufen. Ich schluckte die Spucke herunter und tippte Chloe auf die Schulter.
Als sie mich verwundert ansah, zeigte ich in Richtung der Stände. »Soll ich uns eine Kleinigkeit zu essen holen?« Chloes Blick, mit dem sie mich taxierte, sprach Bände. Schon bereute ich meine Frage.
»Darauf sollten wir verzichten«, sagte sie mit mahnender Stimme.
Wir? Sie meinte wohl eher mich. Ich sollte verzichten. Unrecht hatte sie nicht. Erst vor einer Woche hatte ich herausposaunt, dass ich den Entschluss gefasst hätte, mal wieder ein paar Pfunde abzunehmen. Na gut, nicht ich hatte mich diesmal dazu entschlossen, sondern meine drei Jeans hatten dazu geraten. Neben dem Nietenknopf hatte ich schon bei jeder Hose einen zweiten Knopf am Bund annähen müssen, weil ich sie über den Bauch nicht mehr schließen konnte. Leider fehlte mir zur Zeit das nötige Geld für neue Jeans. Ich bräuchte dringend einen Job, um das Problem ohne Quälerei meines Körpers zu lösen, indem ich mir größere Hosen kaufte. Doch so lange kein Job in Sicht war, half nur eine Diät, um aus der Misere herauszukommen. Dabei hasste ich Abnehmkuren.
Ich liebte alles Essbare, was ungesund war. Egal, ob Eis, Kuchen oder Nachos. Es war ja nicht meine Schuld, dass mein Belohnungszentrum im Hirn sich nur mit Kalorienbomben zufriedengab. Bei Gemüsesticks mit Quark wollte es einfach nicht anspringen.
Ehrenwort, ich hatte alles versucht, um die überflüssigen Kilos, die ich mit mir herumschleppte, loszuwerden. Aber es war jedes Mal ein Scheitern auf breiter Linie. Dabei wäre ich froh, so hübsch und schlank wie Chloe oder die Cheerleader-Mädels zu sein. Ich schämte mich für meinen schwachen Willen. Doch die Hoffnung, dass sich in meinem Kopf irgendwann der Schalter umlegen würde, gab ich nicht auf. Deshalb war ich jetzt vernünftig und blieb auf meinem Platz wie festgeklebt sitzen.
»Okay, wie du meinst, wir verzichten«, lenkte ich lächelnd ein, und Chloe hob den Daumen. »Jetzt bist du ein braves Mädchen.«
Als das Spiel schließlich losging, begann um uns herum das Geschrei. Es war jedes Mal das Gleiche. Es wurde gejubelt, gebrüllt, gepfiffen und geklatscht, wenn ein Touchdown gelang oder auf andere Weise Punkte geholt wurden.
Die Geräusche um mich herum nahm ich kaum wahr, weil ich stattdessen gebannt die Nummer Zwölf verfolgte.
Mich beeindruckte immer wieder, wie ballsicher und nervenstark Lucas war. Unglaublich diese Wurfkraft und Treffsicherheit. Souverän führte er als Captain seine Mannschaft.
Einmal hatte ich bei einem Gespräch zwischen ihm, Dylan und Ray mitbekommen, als wir in der Cafeteria angestanden hatten, dass der Offensive Coordinator ihm über Funk die Codes gab, wie das Team sich bewegen sollte. Und Lucas konnte wohl die Passrouten richtig übermitteln. Die Spieler schienen immer zu wissen, wie sie laufen mussten. Kein Wunder, dass die Mannschaft so oft gewann. Sie gehörte zu den besten Teams der College-Football-Liga NCAA.
Nachdem das letzte Viertel geendet hatte, riefen die Michigan-Fans: »Auf zum nächsten Sieg!«, weil unsere Mannschaft gewonnen hatte. Ich freute mich mit ihnen, aber vor allem für Lucas.
Mit der Menge begaben wir uns zum Ausgang. Ich würde allein mit dem Fahrrad zum Studentenwohnheim zurückfahren, weil Chloe mit ihrem Freund verabredet war. Beim Spiel hatte sie auf ihrem Handy Nachrichten getextet. Travis studierte wie wir an der Michigan. Jedoch war er Basketballfan, begleitete uns deshalb nicht zu den Footballspielen, sondern war lieber mit seinen Kumpels unterwegs.
Auf dem Parkplatz, wo wir unsere Fahrräder angeschlossen hatten, umarmte mich Chloe. »Du bist keinesfalls sauer, wenn ich das Wochenende nicht da bin?«, fragte sie.
»Nein, warum?« Ich zuckte mit den Achseln und zog sie auf: »Pech für dich, dann schaue ich ohne dich Riverdale.«
»Freches Biest!« Sie pikte mich in den Bauch, und ich quiekte erschrocken auf, weil ich abgelenkt war. Ich sah vier schlechtgelaunte Fans von der gegnerischen Mannschaft neben uns auf dem Parkplatz erscheinen. Zum Glück trugen wir keine Sachen, die uns als Michigananhänger outeten. Sie stiegen mit düsteren Mienen in ihr Auto und fuhren los.
»Was planst du für Sonntag?«, erkundigte sich Chloe, während sie sich suchend umschaute. Travis war noch nicht in Sichtweite.
»Weiß nicht«, sagte ich. »Es sind noch Studienaufgaben zu erledigen. Davor werde ich mich aufraffen und eine Runde auf dem Campus joggen.« Falls man das Schneckentempo so nennen kann, ergänzte ich für mich.
»Du willst an deinen Vorsätzen festhalten?«
»Yep.«
»Finde ich gut.« Chloe drückte mich noch einmal an sich und gab mir einen Kuss auf die Wange. »Wenn du später weiter joggen gehst, laufe ich mit.«
Abwehrend wedelte ich mit der Hand vor der Brust, nachdem sie mich losgelassen hatte. »O nein, bloß nicht. Ich komme mir dann neben dir wie ein schnaufendes Walross vor. Wenn ich einigermaßen fit bin, dann gern.«
»Okay.« Chloe lächelte und holte ihr Handy hervor, um noch einmal Travis anzurufen. Währenddessen löste ich das Sicherheitsschloss von meinem Fahrrad.
Noch eine halbe Stunde mussten wir warten, bis er mit seinem nachtblauen Chevy auf dem Parkplatz erschien. Travis wuchtete Chloes Fahrrad auf die Ladefläche des Pick-ups und ich verabschiedete mich von den beiden. Dann schwang ich mich auf mein Rad, um gemütlich zum Wohnheim zu radeln.

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Kapitel 2 - Lucas

»Gutes Spiel, Hanson«, lobte mich Pete Moore, mein Trainingscoach, nachdem wir in die Kabine zurückgekehrt waren, die Sportklamotten ausgezogen und die Ausrüstung abgelegt hatten. Für mich war er mehr als mein Quarterback-Coach. Uns verband ein fast freundschaftliches Verhältnis. Moore schlug mir auf die nackte Schulter und ergänzte anerkennend: »Du hast richtig entschieden, den Spielzug zu ändern.«
Ich bemühte mich, nach dem Schlag nicht das Gesicht zu verziehen. Jeder Muskel schmerzte. Und ich wusste, Schmerz würde die nächsten Jahre mein treuster Freund sein. Damit hatte ich mich längst arrangiert. Ich liebte Football.
»Alle haben heute Spitzenleistung gezeigt, Coach«, warf ich ein und hob meinen Teamkollegen zugewandt beide Daumen.
Daraufhin lächelten sie mir zu, während sie sich für das Eisbad und die spätere Dusche fertigmachten. Es war mir wichtig, das Wir-Gefühl zu erhalten. Jeder sollte wissen, dass er für unser Team unersetzlich war. Aus meiner Sicht funktionierte nur so Mannschaftssport.
»Da stimme ich dir zu«, erwiderte der Coach. »Aber ich muss deinen letzten Pass besonders hervorheben«, meinte er und ließ seine Augen über die Spieler wandern. Alle nickten zustimmend, und ich merkte, dass meine Wangen zu glühen anfingen. »Danke, Coach«, murmelte ich. Komplimente zu hören, machte mich immer noch verlegen. Selten bekam ich ein Lob.
Ron Nolan, unser Offensive Coordinator, hatte mir seinen Spielzug per Funk mitgeteilt, den ich abgelehnt hatte.
Nolan war kein Freund von Alleingängen, aber am Ende des Spiels sagte er mir, dass meine Entscheidung richtig gewesen war.
Ich erinnerte mich an die letzten Minuten auf dem Spielfeld. Wir hatten vier Punkte zurückgelegen.
Nachdem wir uns positioniert hatten, bekam ich Nolans Playcall ausgewiesen, den ich sofort ändern musste, weil ich die neue Strategie der gegnerischen Defence lesen konnte. Sie hatten einen Blitz geplant. Ein zusätzlicher Spieler ihrer Verteidigung sollte meinen angeordneten Pass verhindern, also hatte ich mich für einen anderen Spielzug entschieden und gerufen: »Black 17 kill. Red 9 ace. Hut!«.
Sofort hatte unser Angriff begonnen. Durch die Beine war mir vom Center der Ball übergeben worden. Jay hatte sich an der Außenlinie aufgehalten und war im Moment des Snaps zur Feldmitte gerannt. Ich war fünf Schritte zurückgelaufen und hatte zu Jay gepasst. Der hatte den Ball in der Luft gefangen und sicher gehalten. Dann hatte er ihn an Dylan weitergegeben, der die im Training einstudierten Passroute bis zur Endzone gelaufen war. Mit einem kräftigen Satz war er über die Goalline gehechtet. Was für ein Touchdown! Die sechs Punkte hatten uns den Sieg garantiert.
Es war ein Risiko gewesen, das ich eingegangen war. Aber ich hatte gewusst, dass ich mich auf Jay und Dylan verlassen konnte. Generell war Vertrauen wichtig, weil ich als Quarterback der Spielmacher und gleichzeitig das Sprachrohr des Offensive Coordinators war.
Mit Coach Moore wiederum übte ich die verschiedensten Spielvarianten. Er war ein harter Knochen und sorgte dafür, dass den Quarterbacks im Training die Eier kochten. Kondition und Beweglichkeit waren wichtig. Gerade mich schickte er zusätzlich zum Krafttraining, damit ich an meiner Athletik härter arbeitete. Widerspruch war tabu.
Für Sonntag hatte er mir wieder ein Sondertraining vorgegeben. Während sich die anderen von dem heutigen Spiel erholen würden, würde ich früh aufstehen und ein paar Runden auf dem Campus drehen. Danach war ich mit dem Fitnesscoach verabredet. Bis jetzt war ich selten verletzt und das sollte so bleiben. Meine Muskeln, Knochen und Sehnen wurden übermäßig beansprucht. Ich brauchte einen geschmeidigen Körper. Auf dem Spielfeld lief ich schnell und schlug dabei Haken, wurde vom Gegner getackelt und touchiert. Daher hatte Moore mit dem Fitnesstrainer für mich ein spezielles Programm ausgearbeitet. Kraft, Kondition und Geschmeidigkeit sollten bei mir ganzheitlich trainiert werden.
Mit Professor Williams war abgeklärt worden, dass ich bis Mitte Dezember dafür montags zusätzlich trainieren durfte, weil für den Kurs eine selbständige und langfristige Partnerarbeit anstand. Ich würde mit der pummligen Rothaarigen ein Team bilden. Ashley White. Sie wusste noch nichts von ihrem Glück. Aber Professor Williams meinte, dass sie Aufgaben lieber allein bewältigte und ich mich daher auf mein Footballtraining konzentrieren könnte. Trotzdem würde ich mit einer guten Note abschließen. Der Professor war ein eingefleischter Footballfan und zeigte deshalb viel Verständnis dafür, dass ich mich vorrangig auf meine Karriere konzentrierte. Ich war dankbar für das Angebot, denn es bedeutete einen riesigen Zeitvorteil für mich. Auch Ashley würde zufrieden sein, dass sie ihre Ruhe hätte. Es wäre eine Win-win-Situation für uns beide, fand ich zumindest.
Ein zufriedener Seufzer drängte aus meiner Brust. Lächelnd schaute ich zu Jay. Moore sprach gerade anerkennende Worte zu ihm, weil er meinen gepassten Ball gefangen hatte. Dann ging der Coach auf Dylan zu und klopfte ihm ebenfalls anerkennend auf den Rücken. »Gratulation, Jenkins. Guter Lauf!«
»Danke, Coach Moore.« Dylan und Jay blickten grinsend zu mir. Ich zwinkerte ihnen zu. Sie waren meine Teamkollegen und beste Kumpels. Jay war unser Wide Receiver, der nicht nur unglaublich schnell war, sondern fast jeden meiner Pässe fing, egal, wie weit ich den Ball warf. Dylan bekleidete die Position des Running Backs. Ich war immer wieder beeindruckt, wie geschickt er sich auf dem Feld bewegte und durch die Verteidigungsreihe der Gegner lief, um den Ball so weit wie möglich Richtung Endzone zu tragen. Die NCAA war zwar kein so hartes Business wie die NFL, aber auch hier herrschte Konkurrenzdenken. Jeder wollte Profisportler werden. Trotz dessen stimmte in unserem Team die Chemie, weshalb wir auch erfolgreich waren. Und ich war froh, mit Dylan und Ray eng befreundet zu sein. Ich hatte keine Geschwister und sie waren für mich meine Bros.
»Okay, Jungs. Schönen Abend! Übertreibt es nicht mit dem Feiern, ihr habt Montag Training!«
Der Coach hob zum Abschied die Hand und verließ die Kabine. Wir riefen ihm noch einen Gruß hinterher, bevor die Tür zufiel. Wenn ein wichtiger Sieg wie nach diesem Spiel war – wir führten jetzt die Tabelle an –, begleitete er uns auf ein Bier in Sam’s Diner, doch heute feierte er mit seiner Frau fünfzehnten Hochzeitstag. Als er mir nach dem Freitagstraining erzählt hatte, dass sie mit ihm ins Theater und hinterher in einem edlen französischen Restaurant essen gehen wollte, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Ich wusste, dass Moore die nächsten Stunden leiden würde. Kultur und Haute Cuisine waren ihm ein Graus. Mein Kopf tickte ähnlich. Ich liebte alle Arten von Sportveranstaltungen und aß gern ein saftiges Steak, aber mit feiner Küche und Kunst hatte ich nichts am Hut.
Zwei Gründe, warum meine letzten Beziehungen gescheitert waren. Der Hauptgrund jedoch war jedes Mal, dass meine Exfreundinnen kein Verständnis für meine knappe Zeit hatten. Oft gab es nervende Streits. Nach den Auseinandersetzungen hatte ich nie lange gefackelt, sondern zog die Reißleine und trennte mich.
Angesichts dieser Erfahrungen wollte ich mich auch in den nächsten Jahren auf keine feste Beziehung mehr einlassen. Die Frau, die zu mir passen würde, müsste wahrscheinlich noch gebacken werden. Ich bräuchte eine Frau, die nicht klammerte, die für verrückte Sachen zu haben wäre, der ich alles anvertrauen könnte. Die schlau war und mit der ich den geilsten Sex hätte. Aber da mein Hauptaugenmerk sowieso auf Football lag, suchte ich nicht nach der Einen. Ich wollte es unbedingt in die NFL schaffen. Danach hatte ich mein Leben ausgerichtet. Denn ich trug Verantwortung … Nicht nur für mich. Deshalb musste sich alles andere hinten anstellen.
»Hey, Luc, nimmst du nachher Kaylee mit?«
»Kaylee? Wie kommst du darauf?«
Dylan hob die Schultern. »Nur so, weil sie auf dich scharf ist und gestern bei dir war.« Er machte eine anzügliche Bewegung mit der Zunge im Mund. »Ihr ward nicht zu überhören.«
Ich leerte eine halbvolle Flasche Mineralwasser, wühlte in meiner Sporttasche nach Handtuch und Duschgel.
»Nein, keine Lust auf Frauenbesuch«, sagte ich beim Abstreifen meiner schweißnassen Boxershorts und stopfe sie mit Trikot, Strümpfe und Hose in die Sporttasche. Dylans Sportsachen packte ich mit dazu. Wir teilten uns ein Apartment und ich war mit der Wäsche dran.
»Dann wundere dich nachher nicht. Ich sah sie in der Nähe der Kabine herumlungern. Du warst schon reingegangen.«
»Pech für Kaylee. Ich habe ihr gesagt, dass ich keine Zeit für sie habe.«
Dylan grinste. Wie immer ohne Hemmungen. »Wenn du nichts dagegen hast, tröste ich sie.«
Warum überraschte mich sein Vorschlag nicht? Dylan und ich hatten einen ähnlichen Frauengeschmack. Wir standen auf Cheerleader, blond, leicht gebräunt, mit einer hübschen Figur. Auch reichlich Erfahrung im Bett.
Vor Kurzem hatte ich was mit einer Jungfrau gehabt. Das war schon erstaunlich, weil sie volljährig war. Trotzdem konnte ich dazu nur sagen: nie wieder! Ich kam mir wie im Biologieunterricht vor, was am Ende dazu geführt hatte … Holy Shit, daran wollte ich nicht mehr denken. Da die Frau nicht von der Michigan war, würde es unser Geheimnis bleiben, hoffte ich.
»Wenn es dich nicht stört, dass ich Kaylee vor dir hatte, tu dir keinen Zwang an«, bemerkte ich kopfschüttelnd. Gab es bei Dylan etwas Ähnliches wie eine Schamgrenze?
»Ich will sie nur einmal flachlegen«, haute er locker raus, schlang sein Handtuch um die Hüften und schlendert mit Duschgel und Shampoo in der Hand zu den Duschräumen, wo auch die Tonnen mit dem Eiswasser standen. Schmunzelnd ging ich ihm hinterher. »Kann ich nachher dein Shampoo mitbenutzen?«, scherzte ich.
»Klar, Bro, wir teilen alles«, antwortete Dylan laut losprustend, und ich stimmte in sein Lachen ein. Tja, noch war uns zum Lachen zu Mute. Gleich standen wir zehn Minuten bibbernd und mit kribbelnder Haut in den Tonnen. Wir hassten das eisige Wasser, aber es half dem Körper, sich schnell zu regenerieren.
Alle Spieler waren schon weg. Ich war als Letzter vom Duschen gekommen. Der warme Wasserstrahl entspannte mich, deshalb ließ ich mir Zeit. Aufs Föhnen hatte ich keine Lust. Bei dem warmen Wetter trockneten meine kurzen Haare schnell.
Die Tür öffnete sich in dem Moment, als ich die Sporttasche über die Schulter warf. Na wunderbar. Welches Wort meiner gestrigen Absage hatte Kaylee nicht verstanden?
»Was willst du in der Spielerkabine?«, fragte ich verärgert.
Kaylee musterte mich unverhohlen. »Na, was wohl? Dich sehen.«
»Ich hatte dir unmissverständlich gesagt, dass es kein zweites Treffen geben wird. Also halte dich daran, wenn du mit mir keinen Ärger bekommen willst«, warnte ich sie.
»Ich dachte, du hast das nicht ernst gemeint«, verteidigte sie ihr Erscheinen und schluckte schwer.
Ich verdrehte die Augen. Frauen gestehen, dass sie mich nervten, verkniff ich mir eigentlich lieber. Aber bevor es in einen Disput ausartete, machte ich der Sache lieber ein schnelles Ende. Kaylee wollte es offensichtlich noch einmal hören.
Ich räusperte mich. »Pass auf«, fing ich an und fuhr mir mit gespreizten Fingern durchs Haar. »Es war nett mit dir. Doch ich habe keine Zeit für weitere Treffen. Am besten, du suchst dir einen Typen, der eine Beziehung mit dir zu schätzen weiß.«
Kaylee schnappte nach Luft. »Du wolltest nur deinen Spaß mit mir?«
»Das hatte ich dir klar und deutlich zu verstehen gegeben, bevor wir auf mein Zimmer gegangen sind«, antwortete ich. Ohne noch ein Wort zu sagen, schob ich mich an Kaylee vorbei und betrat den Gang.
Kurz warf ich einen Blick über die Schulter, ob sie mir folgte. Zum Glück kam sie mir nicht hinterher. Ich wusste, dass ich hart mit ihr gesprochen hatte, aber vielleicht begriff sie es jetzt, dass ich meine Meinung nicht ändern würde.
Auf dem Parkplatz suchte ich nach den Autoschlüsseln für meinen alten Jeep. Ich wollte noch schnell in unser Apartment fahren und die verdreckten Sportklamotten in die Waschmaschine werfen, bevor ich mich auf den Weg zum Sam’s Diner machen würde.

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Impressum - Leseproben

Erste Auflage 2019
Copyright © 2019 by Jenna Stean
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Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

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