Jenna Stean - Meine Bücher -   

Über das Buch

Am 12.12.2018 wurde seitens Jenna Stean der 1. Teil der Bad Boy Trilogie „Emilia und Noah – Wie zähmt man einen Bad Boy?“ (erhältlich bei Amazon), das Spin-off zur äußerst erfolgreichen Liebesgeschichte Mia und Niklas – Keine Liebe ist auch keine Lösung, veröffentlicht. Teil 2 der Trilogie, Emilia und Noah – Wie hält man einen Bad Boy, folgte am 31.03.2019.

Auf dieser Seite geben wir Ihnen erste Einblicke in die Handlung von Teil 2 und hoffen somit, Sie für den Roman begeistern zu können. Zum Spannungsaufbau bieten wir Ihnen hier bereits den Klappentext, die Cover, Informationen über die Hauptfiguren sowie diverse Leseproben an.

Der finale 3. Teil der Bad Boy Trilogie ist seit dem 30.April 2019 erhältlich. Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß beim Besuch dieser und der folgenden Seiten.

Daten zu "Emilia und Noah - Wie hält man einen Bad Boy (Teil 2)"

Erschienen: 31.März 2019 bei Amazon
Seitenzahl: 470 (eBook), 362 (Druck)
Preis: 2,99 € (eBook), 9,99 € Druck
ISBN: 978-1091576445

Klappentext

Kaum haben sich Emilia und Noah dazu entschlossen, es miteinander zu versuchen, bricht alles nach den neuesten Ereignissen zusammen. Das aufgetauchte Video und Emilias Umzug nach Hamburg bringen die frische Beziehung in Gefahr. Und Emilia leidet unter Noahs zunehmenden Aggressionen. Die Schmach, die ihm Lee zugefügt hat, versucht er, mit Alkohol zu vergessen, den Schmerz seiner gebrochenen Seele mit Schlägereien zu betäuben. Da er nun weiß, dass Lee ihn vernichten will, sieht Noah keinen Sinn mehr in seinem Leben. Statt sich von der Frau, die ihn liebt, helfen zu lassen, will er stattdessen alles zerstören. Und nun steht Emilia ratlos vor den Scherben ihres Glücks. Wird ihre Liebe ausreichen, um die Beziehung zu Noah zu retten? Werden sie es schaffen, eine Familie zu bleiben? Oder wird Noah Emilia für immer von sich stoßen?

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Die Cover zum Buch

eBook


Taschenbuch

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Emilia und Noah - Steckbriefe zu den Hauptfiguren

Emilia Westphal, 21 Jahre

Familie: Einzelkind, Eltern leben in Berlin
Hobbys: Freunde treffen, Filme schauen, für Hobbys kaum Zeit

Beruf: studiert Mathematik und Informatik

Beziehungen: zwei Jungs

Charakter: zielstrebig, zuverlässig, hartnäckig

Äußeres: mittelgroß, schlank und kurvig, langes, schokobraunes Haar, braune Augen

Besondere Merkmale: keine, sollte an ihrem Kleidungsstil arbeiten

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Noah Schönfeldt, 33 Jahre

Familie: Eltern leben in Hamburg, Schwester in Berlin

Hobbys: mit Marc Fußball- und Handballspiele schauen, surfen, Frauen flachlegen

Beruf: Clubbesitzer

Beziehungen: geschieden, Ex starb an Überdosis

Charakter: selbstbewusst, loyal, verschlossen, nach schrecklichem Erlebnis in der Ehre und Seele verletzt

Äußeres: 1,90 groß, muskulös, schulterlanges blondes Haar, blaue Augen

Besondere Merkmale: Maori-Tattoos, herausstechend ist das Marquesas Kreuz am linken Oberarm

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Prolog

Noah schlug mit der Faust gegen die abgeschlossene Tür. Er spürte die Fingerknöchel nicht mehr, die immer wieder auf das Holz donnerten. Seine Schmerzgrenze hatte er längst überschritten. Das Einzige, was ihn wirklich quälte, war die Leere in seinem Herzen, weil Marie ihn verlassen hatte. Noah versuchte, es mit Whisky und Bier zu füllen. Aber wie bei einem löchrigen Eimer floss der Alkohol wieder heraus.
»Mann, Noah«, hörte er Jacky. »Mach nicht so einen Krach!«, schimpfte sie und ließ ihn in die Kneipe herein.
»Wa … Warum … so lange … dauert«, lallte Noah und kniff die Augen zusammen. Sein von Kopfschmerz geschundenes Hirn war kaum in der Lage, in der verrauchten, stickigen Luft einen sinnvollen Satz zu sprechen.
»Wieso bist du nicht nach Hause gefahren?«, wollte Jacky wissen und sah Noah grinsend an. Sie stand dicht vor ihm, und ihr Blick wanderte von seinem Gesicht zu seinem Schritt. Frivol leckte sie sich über ihre rotgeschminkten Lippen. Noah konnte den Schnaps in ihrem Atem riechen, der gleiche Gestank wie aus seinem Mund, deshalb brauchte er ihn nicht zu schließen.
Früher wäre er nie in solch eine abgefuckte Kneipe gegangen, hätte nie mit diesem Weib herumgemacht.
Aber seit einigen Wochen stattete er der Frau regelmäßig einen Besuch ab, um sie zu benutzen, zu vergessen, dass er früher ein schönes Zuhause hatte, mit einer Ehefrau, einem sauberen Bett, einer heilen Welt. Nie hätte er Jacky in seine Nähe gelassen, weil sie eine heruntergekommene Schlampe war, die mit jedem Wichser vögelte, obwohl sie einen Mann hatte, aber der Kerl war nicht besser als sie, und Noah musste sich keine Gedanken machen. »Übernachtest du bei mir?«, fragte Jacky und deutete mit dem Kinn zu ihrer Wohnung hoch. »Eine kleine Party in meinem Bett, wie wär’s?«
Noah nickte. »Keine schlechte Idee«, antwortete er mechanisch. Sein Schwanz war hart und seine Hoden kribbelten, obwohl sein Herz nicht vor Verlangen pochte. Jacky war nicht Marie, aber Marie hatte ihn verlassen. Seine Frau würde er für Sex nicht benutzen, aber das Weib, das vor ihm stand, war nur ein Fick.
»Na, dann komm!«, sagte Jacky mit einem lasziven Augenaufschlag, zog Noah am Arm, und er stolperte mit.
Dass er wieder eine Frau treffen würde, die er über alles lieben könnte, hätte er in jener Nacht und auch den darauf folgenden Nächten nicht gedacht.

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Kapitel 1 - Emilia

Nach ihrer gemeinsamen Dusche schien Noah weiterhin ruhig zu bleiben, sodass sich auch Emilias Anspannung gelegt hatte. In der Küche hörte sie ihn hantieren, Kaffeeduft stieg ihr in die Nase. Sie ging in das Schlafzimmer und zog sich an. Ihr Blick wanderte zum Boden. Sein Handy lag dort nicht mehr; er musste es mitgenommen haben. Ob ich mit ihm über das Video noch einmal sprechen sollte?, überlegte sie. Linus ist nicht da. Wer weiß, wann wir das nächste Mal über die Sache reden können. Lee wird sich bald melden und gewiss Forderungen stellen.
Emilia schloss die Tür, ging zum Wohnzimmer und steuerte auf den Küchenbereich zu. Noah saß am Tisch, das Handy in der Hand. Er schaute nicht auf, als sie sich ihm näherte.
Bei seinem Anblick hatte Emilia das Gefühl, ein Kloß säße ihr im Hals. Sie schluckte schwer, als ihr bewusst wurde, dass seine Laune gekippt war. Mit düsterer Miene starrte er auf das Display.
Sie setzte sich zu ihm und sah ihn an, aber er ignorierte sie weiterhin. Obwohl sie sich unbehaglich fühlte, bemühte sie sich, einen neutralen Gesichtsausdruck beizubehalten.
Schweigend goss sie sich Kaffee ein und kippte noch einen großen Schwung Milch hinterher. »Noah.« Sie biss sich auf die Unterlippe. Ihre Stimme hörte sich nicht so sicher an, wie sie sollte. Er musste es heraushören, dass sie nervös war.
Er sah hoch. »Dieses verfickte Video!« Schnaubend zwickte er sich mit Daumen und Zeigefinger in die Nasenwurzel, bevor er fortfuhr: »Soll ich abwarten oder ihn anrufen? Was will das Arschloch von mir?« Er presste die Lippen zusammen, legte das Handy auf den Tisch und nahm seine Tasse in die Hand. Er trank einen Schluck. »Die ganze Zeit ahnte ich schon, dass es ihm nicht nur um die gebrochene Nase oder seinem Scheißrobby geht. Ich frage mich, ob ich falsch gehandelt habe?«
Emilia sah auf das Handy. Warum musste sie in der verhängnisvollen Nacht auch unbedingt mit Lee mitgehen? Der Mistkerl hätte jetzt kein Druckmittel gehabt. Das war Bullshit, was sie dachte, natürlich hatte es eine Option gegeben. Das waren seine Worte, nachdem er Noah auf den Hof gelockt hatte. Wenn nicht ich, wäre Melanie Lees Opfer gewesen. Noah hätte es niemals zugelassen, dass das Schwein Marcs Freundin verletzt. »Es gab für dich keine Wahl. Sonst hätten sie sich Melanie gegriffen«, versuchte sie, Noah zu besänftigen.
»Melli?« Er lachte hart auf. »Du denkst, sie ist so naiv wie du?« Kopfschüttelnd schloss er die Augen. »Nie wäre sie so dumm gewesen und hätte von einem fremden Kerl Champagner angenommen. Lee hätte sie nicht reinlegen können.« Noahs Kiefer mahlten, als er die Augen öffnete. Sein Blick war voller Wut.
Emilia trank hastig vom Kaffee. Sie verschluckte sich und hustete. Ich wusste es, jetzt kommt der Moment, dass er mir die Schuld für alles gibt. Was kann ich darauf antworten? Er hat ja recht. Ich war naiv gewesen, habe leichtsinnig den Champagner getrunken. Man lässt seine Drinks nicht unbeobachtet bei fremden Typen rumstehen. Das alles ist nur passiert, weil ich Noah eifersüchtig machen wollte. Darum mein Leichtsinn. Und er muss für meine Dummheit bezahlen.
»Noah … Ich …« Emilia spürte, wie ihre Lippen zitterten. Es tat ihr wahnsinnig leid, dass Noah das Erlebte nicht aus dem Kopf bekam und nun mit der Ungewissheit klarkommen musste, welche wahren Zwecke Lee mit dem Video verfolgte.
Noah leerte die Tasse, stellte sie auf den Tisch und angelte nach dem Handy. »Ich rufe Hannah an. Ich bin nicht in der Verfassung, Linus den glücklichen Vater vorzuspielen. Vielleicht kann er noch eine Nacht bei ihr schlafen.«
»W-wieso?« Emilia sah ihn unsicher an. »Was hast du vor?«
Noah kniff die Augen zusammen, warf mit einem zischenden Laut das Handy auf den Tisch und packte die Tasse. Sie zersplittert, als er sie voller Wucht gegen die Wand schleuderte. Emilia schrak zusammen. Es war Noahs zweiter Gewaltausbruch, den sie miterlebte. Ihr Körper bebte vor Angst, dass Kaffee auf ihren Handrücken schwappte. »Autsch, verdammt!«, zischte sie, aber Noah registrierte es nicht. Zitternd stellte sie die Tasse auf den Tisch und wischte sich die feuchten Finger an der Jeans ab.
»Es ist besser, ich verlasse das Haus. Was du machst, ist mir egal«, erklärte er.
»Du lässt mich allein?«, platzte es aus ihr heraus. Wollte er sie in seinem Haus sitzen lassen?
Das konnte er doch nicht machen? »Bleib hier, bitte!«
Noah stand auf, beugte sich über den Tisch und hob ihr Kinn. »Ich werde mich irgendwo besaufen, um wenigstens einige Stunden nicht mehr an den Scheiß zu denken.«
»Dich zu betrinken, kann nicht die Lösung sein.«
Er seufzte, sein Gesicht verlor etwas von der Härte. »Das weiß ich, und ich weiß auch, dass ich dir Unrecht tue, wenn ich den verfluchten Mist auf dich abwälze. Aber ich kann jetzt wirklich nicht bei dir bleiben, als ob alles okay ist … Denn nichts ist okay.« Eine steile Falte stand zwischen seinen Brauen, als er ihr Gesicht umfasste und ihr einen Kuss auf die Lippen drückte. Leicht strichen seine Daumen über ihre Wangen.
»Nein, es ist meine Schuld, aber ich will an deiner Seite sein, alles tun, dass das wieder in Ordnung kommt.«
»Da kommt nichts in Ordnung, nicht für mich.« Noah nahm die Hände von ihrem Gesicht und richtete sich auf. »Vielleicht solltest du die Zeit nutzen, wenn ich nicht da bin, um darüber nachzudenken, ob du nicht doch lieber deine Sachen packst und wir das mit uns lassen.« Noah sprach sehr leise, fast flüsterte er.
Emilias Herz schmerzte. Schwindel erfasste sie, und die Sorge um ihn schnürte ihr die Kehle zu. »Nein«, keuchte sie nach Luft ringend. »Nein, Noah, ich werde dich nicht verlassen. Ich habe so lange um dich gekämpft. Deshalb gebe ich dich nicht einfach auf. Das stehen wir zusammen durch, gleich, was Lee mit dem Video vorhat.« Hastig ruckte sie mit dem Stuhl nach hinten und sprang auf. Sie umrundete den Tisch, packte Noahs Hände und zog ihn zu sich. Ihre größte Angst war gewesen, dass er sie fortschicken würde, aber er tat es nicht, sondern überließ ihr die Entscheidung. Er wollte nicht, dass sie sich von ihm abwendete. Dass er Zeit für sich brauchte, war klar, aber nicht, um sich das Hirn mit Alkohol zu benebeln. Stattdessen mussten sie eine Strategie entwickeln, um Gegenmaßnahmen einzuleiten. »Willst du nicht lieber eine Runde joggen gehen, um den Kopf frei zu bekommen?«
»Ich soll Sport treiben? Wow, tolle Idee.« Sein unwirscher Ton gefiel Emilia nicht, aber sie versuchte, ihn trotzdem von seinem Vorhaben abzubringen. »Ich kann nur wiederholen: Dich zu besaufen, hilft jetzt wirklich nicht. Dadurch wird es nicht besser.«
»Die Entscheidung überlass mir. Wenn es dir nicht passt … Dann geh doch!«
Emilia sah ihn an, aber er mied ihren Blick, als er sich an ihr vorbeischob. Ohne noch etwas zu sagen, nahm er das Handy vom Tisch und ging zum Flur. Einige Sekunden später hörte sie die Haustür zuschlagen.
Eine Weile starrte sie auf die Kaffeespritzer an der Wand, dann stand sie auf und holte Handfeger und Müllschippe. Nachdem die Scherben im Abfalleimer gelandet waren, ging sie ins Wohnzimmer zum Fenster und sah zur Straße. Sie fuhr sich über das Gesicht und schüttelte den Kopf, als sie bemerkte, dass Noahs Volvo nicht mehr vor dem Haus parkte. Ein Bauchgefühl drängte sich auf. Sie durfte nicht tatenlos herumsitzen.
Herrgott, Noah. Ich kann das nicht zulassen. Wenn du dich lieber betrinken willst, sollte wenigstens Marc bei dir sein.
Nach langem Hin und Her hatten sie sich nun doch für eine Beziehung entschieden, trotzdem war es nicht sie, die ihm jetzt helfen konnte.
Emilia eilte in das Schlafzimmer. Sie suchte in ihrer Tasche nach dem Handy. Schnell scrollte sie die Kontakte herunter und tippte Arons Nummer an. Während sie das Handy ans Ohr presste, ertönte das Freizeichen.
»Emilia?«
»Aron, o Gott, bin ich froh, dich zu erreichen!«
Erleichtert atmete sie auf, krallte ihre Finger in den Saum ihres T-Shirts. »Aron, bitte rufe Marc an. Noah braucht ihn dringend als Freund.« Sie hoffte, er fing nicht an, lange Erklärungen hören zu wollen. Es ging nur darum, dass Aron sich kümmerte. Marc musste Noah finden und in seiner Nähe bleiben. Da war etwas Finsteres in Noahs Augen gewesen, das nichts Gutes bedeutete.
»Emmi, worum geht es? Was ist los?«
»Lee hat Noah ein Video geschickt. Es wurde gefilmt, wie sie ihn zusammengeschlagen hatten. Noah dreht gerade durch. Er ist abgehauen, um sich volllaufen zu lassen. Ich glaube aber nicht, dass es nur bei einer Sauferei bleibt.«
»Woher weißt du … Bist du bei Noah?«
»Aron, bitte, frag mich jetzt nicht darüber aus, sondern versuche, Marc zu erreichen. Noah braucht ihn, und ich weiß nicht, wo er hingefahren ist«, drängte sie und trat von einem Bein auf das andere. Sie versuchte, die Nervosität unter Kontrolle zu halten. Aus dem Handy vernahm sie Arons hektisches Atmen.
»Er ist mit dem Volvo unterwegs?«
»Scheiße, ja.«
Kurzes Schweigen, dann sagte Aron: »Okay, ich erledige das.«
»Danke dir. Ich bin hier bei Noah. Wenn ihr was wisst, meldest du dich.«
»Klar, Emmi, mach dir keine Sorgen.«
Ich muss geduldig sein und warten, dachte Emilia und schickte ein Stoßgebet zum Himmel. Das war eine Katastrophe, die sich anbahnte. Aber obwohl sie nicht mehr tun konnte, als Aron anzurufen, ging es ihr nun ein wenig besser. Noah war nicht im Stande, mit der Sache rational umzugehen. Zwar mochte er mit ihr nicht darüber reden, aber vielleicht mit seinem besten Freund. Sie hatte von Anfang an den Eindruck, dass ein enges Vertrauen zwischen den beiden Männern herrschte, keiner tiefer in Noahs Seele blicken konnte als Marc.
Erschöpft sank sie auf das Bett. Das Handy legte sie neben sich. Mit den Fingerspitzen rieb sie über die Augen und merkte, dass sie wenigstens ein bisschen froh war, eine richtige Entscheidung getroffen zu haben. Hoffentlich konnte Marc Noah davon abhalten, sich mit Alkohol volllaufen zu lassen, bevor er noch andere Dummheiten anstellte.

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Kapitel 2 - Noah

»Ich halte das nicht mehr aus«, zischte Noah, nachdem er die Haustür zugeschlagen hatte und mit dem Autoschlüssel in der Hand auf den Volvo zusteuerte. Er wollte nur noch weg von Emilia, ihrem besorgten Blick; und aufgrund seiner eigenen Panik wegen des Videos. Das alles hatte ihm im Haus die Luft zum Atmen geraubt. Er steckte in einer Sackgasse und hatte keinen blassen Schimmer, wie er dort wieder herauskommen sollte. Er ahnte, was Lee von ihm verlangen würde. Nicht mehr lange, dann bekäme er die Forderungen von dem Wichser präsentiert.
Im Auto überlegte Noah, wohin er fahren sollte.
Zuerst muss ich Hannah anrufen. Scheiße, das alles ist so abgefuckt.
Noah kniff die Augen zusammen. Die Sonne am wolkenlosen Himmel blendete ihn. Er beugte sich zu der Konsole vor dem Beifahrersitz, öffnete sie und kramte zwischen Fahrzeug-Scheckheft und anderen Unterlagen. Keine Sonnenbrille. Mit einem verärgerten Brummen schlug er die Klappe zu. Seine Augen schweiften zum Haus.
Nein, es muss ohne Sonnenschutz gehen.
Nachdenklich rieb sich Noah das Kinn. Was wollte ich eigentlich jetzt machen? Ach ja, Hannah anrufen.
Er hob die Hüfte und zog das Handy aus der Hosentasche. Er wartete, dass sie ranging, nachdem er auf dem Display ihren Namen ausgewählt hatte. Es dauert, und er klemmt sich das Handy unter das Kinn. Hannahs Stimme auf der Mailbox sagte an, dass sie nicht erreichbar wäre. Er drehte den Zündschlüssel, startete den Wagen und lenkte ihn auf die Straße. Ein Auto hupte, Reifen quietschten. »Ja, Mann, reg dich ab!«, knurrte Noah und nahm das Handy auf, das wegen des Beinahe-Crashs auf den Sitz zwischen seine Schenkel gerutscht war. Er fluchte, weil er den Seitenblick vergessen hatte; und hätte der Passatfahrer keine Vollbremsung hingelegt, wäre es zum Unfall gekommen.
Endlich piepte das Aufnahmesignal.
»Du, Hannah, bitte hole Linus von der Kita ab und behalte ihn noch einen Tag bei dir. Ich habe einen wichtigen Termin«, log er und legte auf, ohne noch einen Gruß zu hinterlassen. Ein bisschen grummelte es in seinem Magen. Er hatte wegen Linus’ ein schlechtes Gewissen, aber ein Teil von ihm wusste, dass der Junge bei Hannah besser aufgehoben war.
Sein Blick schweifte zum Armaturenbrett vor dem Lenkrad. Die Tankanzeige leuchtete gelb. Auch das noch. Warum war es ihm nicht aufgefallen, als er mit Emilia nach Hause gefahren war? Wütend warf er das Handy in die Ablage zwischen den Sitzen.
Von Weitem sah er das blaue Schild der Tankstelle. Er verringerte das Tempo, fuhr die Auffahrt hinauf und hielt an der Zapfsäule. Zum Glück war nicht viel Betrieb, schnell schwang er sich aus dem Sitz und umrundete den Volvo. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er ohne Mantel unterwegs war, weil er plötzlich die Kälte wahrnahm. Gänsehaut zog sich über seine Arme. »Verflucht, ist das kalt«, murmelte er. Besser, er würde sich beeilen. Noahs Zähne klapperten, die eisige Januarluft biss in die Haut.
Nachdem der Tank gefüllt war, ging er mit langen Schritten zum Service. »Säule zwei«, rief er der Frau an der Kasse zu.
Kaum saß er wieder im Wagen, leuchtete das Display vom Handy. Hannah. Er konnte an ihrer Stimme hören, dass sie ihm den Termin nicht abnahm, aber fragte nicht weiter nach, sondern sagte, dass sie sich um Linus kümmern würde. Noah war dankbar; seine Schwester ließ ihn nie im Stich.
Noah umklammerte das Lenkrad. Sein Hirn arbeitete, es fiel ihm ein, wo er hinwollte. Er fuhr von der Tankstelle und bog nach rechts ab. Kleinere Häuser zogen an ihm vorbei. Die Gegend wirkte verschlafen, in Noahs Kopf herrschte dagegen Chaos wie bei einem zerstörerischen Wirbelsturm.
Dort. Er zog die Stirn zusammen und reckte den Kopf nach vorne. Er erkannte die Kneipe, wo er oft gesessen hatte, wenn es ihm beschissen ging, damals, als ihn Marie verlassen hatte.
Nachdem der Volvo geparkt war, stopfte er das Handy zurück in die Jeans und stieg aus. Er betrachtete die blinden Scheiben, spürte den Druck in der Brust, der ihn zum Haus zog. Aus dieser Kneipe war er früher meist sturzbetrunken herausgewankt. Das würde heute nicht anders sein.
Mit den Armen vor der Brust verschränkt, rieb er mit den Händen die vor Kälte prickelnde Haut und lief los.
Schnell zog er die Holztür auf und trat ein. Die Kneipe war fast leer. In einer Ecke saßen zwei Männer, die sich unterhielten. Zwei halbgefüllte Biergläser standen vor ihnen auf dem Tisch. Es roch nach abgestandenen Rauch, der Laden wirkte schmuddelig. Hier lässt es sich hemmungslos saufen, dachte Noah.
»Das gibt’s doch nicht. Noah?« Der Wirt knallte die Hand auf den Tresen. »Mann, dich nach so vielen Jahren in meiner Hopfenstube begrüßen zu dürfen. Wie lange ist das her, sechs Jahre?«
»So ungefähr, Harry. Grüß dich!«, erwiderte Noah und hievte seinen Hintern auf den hohen Hocker. Mit einem stinkenden Lappen rubbelte der Wirt klebrige Reste vom Tresen.
Boah, ist das eklig. Der graue Fetzen muss ja Monate auf dem Buckel haben. Noah verzog das Gesicht, und Harry blickte zu ihm und lachte. »Was willst du trinken, Kumpel?« Er nahm ein Bierglas, hielt es schräg unter den Zapfhahn. Das Bier lief langsam die Wandung entlang. »Ein Helles und einen Whisky?«
»Wie früher«, antwortete Noah. Er beobachtete den Wirt, der das Glas füllte. Harry hatte in den vergangenen Jahren am Bauch zugelegt, sonst hatte er sich nicht verändert.
»Jacky hat dich auf einem Plakat erkannt.«
Noah stöhnte. »Red nicht über deine Frau.«
»Schon gut. Aber sie erzählte, du hast Erfolg mit deinem Club.« Er zwinkerte, setzte die Schaumkrone auf das Bier und schob einen Pappdeckel vor Noah. »Wohl bekommt’s!«, sagte er, stellte dabei das Glas auf den Untersetzer.
»Der Whisky!« Noah nahm einen großen Schluck und deutete mit dem Glas zu den Flaschen. »Hast du einen guten Schottischen?« Harry wandte sich dem Regal zu. »Vielleicht.« Er überlegte, zeigte schließlich auf eine schlanke Flasche. »Ich könnte dir diesen Scotch anbieten. Der ist gar nicht mal übel.« Noah brummte unwillig, aber nickte. »Okay, aber lass den Eiswürfel weg, und die Flasche kann bei mir stehen bleiben.«
Grinsend goss Harry den Scotch ins Glas. Noah leerte es mit einem Zug. Angewidert kniff er die Augen zusammen. Fuck, was ist das für ein billiges Zeug? Die hellbraune Flüssigkeit schmeckte nicht nur abartig, sie brannte grässlich im Hals, aber das war Noah egal, und so füllte er sich selbst nach.
»Ich bin ein guter Zuhörer, falls du reden magst«, bot der Wirt an. Er musterte Noah, während er sich mit der flachen Hand über die Glatze rieb.
»Ich will in Ruhe hier sitzen und trinken. Wenn ich reden will, gehe ich nicht in eine Kneipe.« Noah kippte den zweiten Whisky hinterher. Mit gerunzelter Stirn drehte er das Glas in der Hand. »Zapf noch ein Bier!«
»Früher warst du gesprächiger.« Harry seufzte. »Aber ich will mich nicht aufdrängeln.«
»Besser ist’s«, murmelte Noah. Emilias Gesicht tauchte vor ihm auf. Zum Teufel, ich liebe sie so sehr. Noah stöhnte auf. Er durfte nicht an sie denken und schenkte sich ein drittes Glas ein. Gequält schloss er die Augen, trank und spürte das schärfer werdende Brennen in seiner Kehle.

Die Tür klappte. Ein kühler Windzug brachte frische Luft in den miefigen Raum. Jemand war in die Kneipe gekommen. Noah nahm das Geräusch nur aus der Ferne wahr. »Harry, ich will Bier!«, lallte er. Seine Hand zitterte, als er versuchte, sich Whisky einzugießen. Er kniff die Augen zusammen, das Glas schwankte auf dem Tresen. Als er die Flasche abgestellt hatte und nach dem Glas griff, stand es in einer Pfütze.
Scheiß drauf! Salute!
Er führte das Glas an die Lippen und legte den Kopf in den Nacken, während er den Whisky herunterkippte. Noah verzog das Gesicht und rülpste. Holy Shit, bin ich besoffen, durchfuhr es ihm.
Langsam drehte er den Oberkörper der Gestalt zu, die in die Kneipe gekommen war. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter. »Also hierher hast du dich verkrochen«, hörte er eine bekannte Stimme.
»Marc?« Noah blinzelte.
»Ja, ich. Aron hat mich angerufen. Emilia macht sich Sorgen um dich.«
»Und woher weißt du, dass ich hier bin?«
»Weil du damals immer hier warst, als es dir wegen Marie schlecht ging.« Marc klopfte Noah auf den Rücken. »Komm, zahl die Rechnung und ich bringe dich nach Hause.«
»Nach Hause?«, blaffte Noah. »Mann, verpiss dich. Ich will nicht nach Hause!« Dass sein Freund ihn gefunden hatte, ärgerte ihn. Warum konnte Emilia nicht ihren Mund halten, sondern verpetzte ihn bei Aron und Marc? Er wollte nicht nach Hause, weil ihn dort die Realität einholen würde. Hier saß er wie in einem Kokon, konnte sein Hirn vernebeln und das Video für ein paar Stunden vergessen.
»Verfällst du wieder in alte Muster?«, fragte Marc verärgert.
»Meine Fresse, tu ich nicht.«
»Jetzt mal im Ernst, Alter, dich zu besaufen, ändert nichts an der Sache mit Lee.«
Perplex starrte Noah in Marcs Gesicht. »Verdammt noch mal, was hat Emilia euch alles erzählt?«
»Dass Lee dir ein Video geschickt hat und du nun vor Panik durchdrehst.«
»Ich schiebe keine Panik!« Wütend funkelte Noah seinen Freund an.
Ohne noch weiter auf ihn einzugehen, winkte Marc den Wirt heran. »Was bekommst du?«, erkundigte er sich bei ihm, ohne auf Noahs Faust zu achten, die wütend auf den Tresen schlug. Die Gläser und die fast leere Flasche vor ihm wackelten aufgrund der Erschütterung. »Steck dein beschissenes Geld weg! Ich zahle, wann mir danach ist«, schimpfte Noah. Schwankend klammerte er sich mit einer Hand an der Kante des Tresens, während er seinen Freund den Finger in die Brust stieß. »Und du verpiss dich! Ich will es nicht noch einmal sagen.«
Mit unbewegter Miene zog Marc seine Brieftasche hervor und nestelte einen Hunderter heraus, den er auf den Tresen warf. »Genug gesoffen. Ich nehme dich mit.« Er steckte die Brieftasche in die Jeans zurück, schlang den Arm um Noahs Taille und versuchte, ihn vom Hocker zu ziehen.
»Lass das, du Arsch!«, reagierte Noah stur und schlug den lästigen Arm von seinem Körper. »Ich entscheide, wann ich genug habe!«
»Hör auf, dich wie ein bockiges Kind zu benehmen! Es reicht mir langsam!«, wurde Marc laut. Er packte ihn erneut am Arm und zerrte ihn vom Sitz. Doch Noah wehrte sich, schlug ungelenk nach Marc. Der sprang beiseite, als der Hocker kippte. Ein dumpfer Aufschlag, begleitet von einem Poltern. Mit der Stirn war Noah auf die Kante des Tresens aufgeschlagen und stürzte zu Boden.
Mit schmerzverzerrter Miene wälzte er sich vor Marcs Füßen hin und her. Au Backe, das gibt hässliche blaue Flecke. Mühsam rappelte sich Noah auf die Knie. Das Blut rann warm über seine linke Wange, tropfte vom Kinn auf das T-Shirt.
Auch das noch, verfluchte Scheiße!
Mit der flachen Hand wischte Noah es sich aus dem Gesicht. Ihm war schwindlig. Wieso kann Marc mich nicht in Ruhe lassen? Jetzt blute ich wie ein angestochenes Schwein, erregte er sich. Er blickte blinzelnd hoch, sah zu Marc, dessen Gesicht unter der noch leichten Karibikbräune blass geworden war. Der Freund starrte mit aufgerissenen Augen zu ihm herunter. »Sorry, das … Noah, das tut mir leid … Ehrlich!«, stammelte er.
Ein unwilliges Schnauben war zu hören. Nun mischte sich Harry ein. »Ihr beiden hört auf, mir Stress zu machen«, bellte er hinter dem Tresen. Er wandte sich an Marc und zeigte mit dem ausgestreckten Arm zu einen Tisch in der Mitte der Kneipe. »Hilf Noah auf und setze ihn dort auf den Stuhl. Ich hole Wasser, ein sauberes Tuch und Pflaster.«
Einer der Typen aus der Ecke meldeten sich. »Hey, Harry, bei dir vorne alles klar?«, rief er und schwenkte sein leeres Glas in der Luft.
»Jaja«, der Wirt winkte ab. »Ihr bekommt später noch zwei Bier gezapft.«
»Und zwei Schnäpse«, forderte der Typ.
Der Wirt hob den Daumen. »Sollt ihr haben.« Dann trat er hinter dem Tresen hervor und beugte sich zu Noah »Wir helfen dir mal hoch.«
Noah gab einen unwirschen Laut von sich. Abweisend wedelte er mit der Hand. »Fasst mich bloß nicht an!« Er bemühte sich, allein auf die Füße zu kommen, aber schaffte es in seinem betrunkenen Zustand nicht, stattdessen fiel er auf die Seite. Das wird jetzt echt peinlich, dachte er und verfluchte innerlich Emilia und Aron, dass sie sich eingemischt hatten und er vor Marc wie ein Vollidiot auf dem versifften Holzboden lag. Die Kneipe war einfach nur ekelerregend. Und Noah wurde übel. Wenn er hier unten noch länger liegen blieb, würde sein Magen dafür sorgen, dass er das Gemisch aus Bier und Whisky auf den Dielen kotzte. Bei der Vorstellung konnte er sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen. Was für eine stinkende Sauerei das wäre, die Harry schön selbst wegwischen müsste. Wer weiß, welche besoffenen Typen hier schon ihren Mageninhalt hinterlassen hatten.
Igitt, verficktes Kopfkino.
Noah hielt die Faust vor dem Mund, als ein saurer Geschmack hochkam. Er konnte nur mit einer Menge Willenskraft, den Drang zu kotzen, unterdrücken.
Noah runzelte die Stirn. Egal wie mies es ihm jetzt ging, er musste irgendwie auf die Füße kommen. Er drückte die Arme durch, versuchte, sich hochzustemmen, aber seine Boots verloren immer wieder den Halt, sodass er ausrutschte und auf den Rücken landete.
Ausgestreckt blieb er liegen und schielte mit zusammengepressten Lippen zu Marc.
Der Freund stand stumm neben ihm und fuhr sich durchs dunkle Haar. Seine braunen Augen schauten besorgt zu Noah. »Harry hat recht. Du entspannst dich mal und ich helfe dir beim Aufstehen. Die Platzwunde auf deiner Stirn muss versorgt werden.« Marc lächelte.
Warum grinst er so blöd? In Noahs Kopf arbeitete es, aber irgendwie konfus. Er konnte Marcs Gesichtsausdruck nicht deuten, dafür war zu viel Alkohol in seinem Blut.
Macht sich Marc über mich lustig, weil ich wie ein bekloppter Käfer auf dem Rücken liege und nicht ohne Hilfe aufstehen kann?
»Guck nicht so dämlich! Ich brauche weder dich, Emilia noch sonst wen. Hau endlich ab!«,
herrschte Noah Marc von unten an. Um der Aufforderung mehr Ausdruck zu verleihen, versuchte er, nach ihm zu treten, aber Noahs Beine stießen unkoordiniert ins Leere.
Als Marc sich zu ihm hockte und ihn an den Handgelenken packte, ballte Noah die Fäuste und schlug nach ihm. Sein Schwinger streifte kaum Marcs Brust, stattdessen haute er sich selbst eine rein. »Autsch!« Noah rieb sich die Wange.
»Jetzt ist aber Schluss!«, herrschte Marc ihn lautstark an. »Lass das Kasperletheater! Muss ich dir echt einen Knockout verpassen, damit wir dich auf einen Stuhl setzen können, um die Platzwunde zu behandeln?« Eine Zornesfalte hatte sich zwischen Marcs Brauen gebildet.
»Fick dich!«, zischte Noah und spukte aus, aber statt den Freund zu treffen, blieb der zähe Speichel an seinem Mundwinkel hängen.
Noch bevor Noah eine weitere Dummheit machen konnte, sah er eine Faust auf sich zukommen, die auf sein Kinn donnerte. Schlagartig war alles schwarz. Irgendjemand befahl: »Pack du ihn an den Beinen!« Dann bekam er nichts mehr mit.

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Impressum - Leseproben

Erste Auflage 2019
Copyright © 2019 by Jenna Stean
Alle Rechte dieser Ausgabe vorbehalten

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung und Vervielfältigung dieses Buches – auch nur Auszüge – sowie die Übersetzung dieses Romans ist nur mit ausdrücklicher, schriftlicher Genehmigung der Autorin gestattet. Dies gilt insbesondere für jede mechanische, fotografische, elektronische und sonstige Vervielfältigung, Verbreitung – auch Auszüge – durch Film, Funk, Fernsehen, elektronischen Medien und sonstige Form von öffentlicher Zugänglichmachung.
Die Personen und Handlungen in diesem Roman sind frei erfunden. Ähnlichkeiten zu jedweden Personen sind rein zufällig.

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